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14.08.2018 - 14:48h - Allgemein

Star­ke Frau­en im Ein­satz


Von Nina Waßmundt - Aarbote (14.08.2018)
Sie ist gewissermaßen das „Versuchskaninchen“ der Stadt Bad Schwalbach – Ramschiederin Jana Hofem hat im Feuerwehrstützpunkt der Stadt als Erste ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert. Am ersten August hat sie ihren Arbeitsplatz verlassen. Und zieht zum Abschied eine positive Bilanz: „Ich würde es nochmal machen“, sagt die 19-Jährige, die damit gleichzeitig ihr Fachabitur von der Friedrich-List-Schule in Wiesbaden in der Tasche hat.



Seit ihrem 10. Lebensjahr ist sie hobbymäßig bei der Freiwilligen Feuerwehr Ramschied. Brände zu löschen und Menschen zu retten, war ihr also schon bestens vertraut.

Von klein auf mit dem Vater die Reifen gewechselt

Im Dienst der Stadt hat die Ramschiederin aber viel Neues erlebt: Im September 2017 hat sie bei den Bundestagswahlen im Rathaus geholfen, ansonsten vor allem im Feuerwehrstützpunkt dem hauptamtlichen Gerätewart Peter Ullmann zugearbeitet. Am Stützpunkt werden auch die Geräte für die Heidenroder und Schlangenbader Wehren gewartet. Ullmann, der 21 Jahre lang allein in Schwalbach für alles verantwortlich war, resümiert das Jahr: „Wir haben viel gelacht und hatten eine schöne Zeit. Obwohl ich zunächst skeptisch war, man muss sich ja erst mal beschnuppern.“

Großen Spaß macht Hofem vor allem das Handwerkliche an der Arbeit mit den Geräten: „Ich habe von klein auf mit meinem Vater die Autoreifen gewechselt“, lacht die junge Frau, die gerne auch die TÜV-Prüfung der Autos bei der Feuerwehr Bad Schwalbach übernommen hat. Was sie in dem Jahr gelernt hat? Hauptsächlich wie man Atemschutzmasken und Pressluftatmer auseinander baut, reinigt, prüft und wieder zusammenbaut. „Ich finde es spannend, dahinter zu blicken, wie die Technik funktioniert“, sagt sie. Für das Tauchbad und den Trockenschrank war sie eigenverantwortlich zuständig. Dabei habe sie gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Denn: „Der Mensch, der mit dem Pressluftatmer, den ich gewartet habe, da reingeht, muss auch wieder gesund herauskommen“, ist sie sich bewusst. Außerdem habe sie im FSJ ihr Zeitmanagement und ihre organisatorischen Fähigkeiten verbessern können. Denn Einsätze in den Computer eintragen und mehrere Termine koordinieren gehörte dazu. Zudem durfte Hofem an einem Funk-, einem Atemschutz- sowie einem Truppführer-Lehrgang teilnehmen. Damit kann sie nun beim Einsatz das Kommando für die Truppe geben.

Kein Tag verläuft gleich auf der Wache

Was sie an der Arbeit auf der Wache so fasziniert? Es existiert keine Routine, kein Tag verläuft dort gleich: An einem muss ein Brand gelöscht werden, am anderen passiert ein Verkehrsunfall – „wie das Schicksal den Leuten eben zuspielt“, stellt Hofem fest. „Ich habe schon Mitgefühl und denke an die Menschen, aber der Tag geht einfach weiter und man muss funktionieren.“ Diese Herausforderung gemeinsam im Team zu bewältigen, begeistert die junge Frau. Sie freue sich jedes Mal zu sehen, wie Familien, die etwas Schlimmes erlebt haben, ihren Alltag wieder aufnehmen können. Dankbarkeit werde leider selten ausgesprochen, berichtet sie aus ihrem Erfahrungsschatz.

Ihr schönstes Erlebnis? Sie erinnert sich an einen Mann, der aus einer qualmenden Wohnung befreit wurde und zwei Tage später extra in die Wache kam, um sich für die schnelle Lebensrettung zu bedanken. Ideen für die Zeit nach dem FSJ hat Hofem auch schon, möchte sie aber noch nicht verraten. Nur so viel: „Ein simpler Bürojob wäre nichts für mich.“ Das „Helfersyndrom“ steckt jedenfalls tief in ihr – wenn Einsätze kommen, werde sie auch weiterhin in Ramschied und Bad Schwalbach aufs Auto springen.

Hofems Nachfolgerin Esther Schön aus Breithardt ist ebenso fasziniert davon, anderen Menschen zu helfen. Auch sie ist seit ihrem 11. Lebensjahr in der Jugendfeuerwehr Breithardt. Den Grundlehrgang habe sie schon gemacht und Vorerfahrungen im Retten, aber „noch nicht mit der Verwaltungstechnik und dem Papierkram“, sagt die 18-Jährige. Feuerwehr – das sei mehr als nur der Einsatz mit Blaulicht, „aufs Auto und los“. Vor ihrem FSJ hat sie ihr Fachabitur gemacht und bis Mai ein Jahr in Irland und Italien mit Pferden gearbeitet. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Bad Schwalbach möchte sie nun herausfinden, ob die Berufsfeuerwehr das Richtige für ihre Zukunft sein könnte.

www.Aarbote.de